Drainage ≠ Belüftung – Warum selbst gute Töpfe Pflanzenwurzeln töten können
- Foliage Factory
- 18. Sept.
- 21 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Okt.
Du kannst eine Pflanze gießen, siehst Wasser unten aus dem Topf laufen – und trotzdem verfault sie. Der Grund: Drainage und Belüftung sind nicht dasselbe. Schneller Abfluss zeigt nur, wohin das Wasser geflossen ist – er sagt nichts darüber aus, wie viel Sauerstoff den Wurzeln tatsächlich bleibt.
Wichtige Punkte auf einen Blick
. |
|---|

Inhalt:
Drainage vs. Belüftung in Blumenerde — Wo liegt der Unterschied?
Töpfe, Systeme & Umgebung — was die Belüftung wirklich beeinflusst
Substratbestandteile — wie Partikelgröße Drainage und Belüftung steuert
Beste Substratmischungen für Aronstabgewächse, Sukkulenten und Farne
Wasserqualität und Chemie im Substrat — die verborgene Seite der Belüftung
Warum selbst das beste Substrat mit der Zeit an Belüftung verliert
Drainage vs. Belüftung in Blumenerde — Wo liegt der Unterschied?
Wenn du eine Pflanze gießt und Wasser unten aus dem Topf läuft, wirkt das, als ob alles passt. In Wahrheit leert schneller Abfluss nur die größeren Poren. Er verrät nicht, wie viel Sauerstoff im Wurzelraum verbleibt.
Drainage ist die schwerkraftgetriebene Abwärtsbewegung von überschüssigem Wasser. Sie verhindert sichtbare Staunässe, stellt aber nicht sicher, dass Wurzeln atmen können. Belüftung beschreibt den Anteil luftgefüllter Poren nach dem Abfluss (AFP). Sinkt dieser Wert unter etwa 10 %, geraten Wurzeln in Sauerstoffmangel – auch dann, wenn der Topf scheinbar gut entwässert. |
|---|
📌 Merke: Drainage zeigt nur, wohin das Wasser geht. Belüftung entscheidet, ob Wurzeln überleben. Beide Faktoren sind unverzichtbar für gesundes Wachstum.
➜ Beispiel: Ein Philodendron in einer Mischung aus grober Rinde behält Sauerstoff um die Wurzeln; dieselbe Pflanze in dichtem Torf kann ersticken – mit gelben Blättern oder Wurzelfäule als Folge.
💡 Tipp: Die meisten Aronstabgewächse gedeihen bei 15–25 % AFP, während Sukkulenten und Kakteen mindestens 25–35 % benötigen. Wenn sich dein Substrat dauerhaft feucht anfühlt oder Wurzeln trotz „guter Drainage“ faulen, fehlt die Belüftung.
Falls dir das Szenario „es ist abgelaufen, aber trotzdem verfault“ bekannt vorkommt, lies den Leitfaden Wurzelfäule erkennen & behandeln mit allen Details zur Vorbeugung und Behandlung.

Bodenphysik 101 — Warum Wurzeln im Topf verfaulen
In Töpfen kann die Schwerkraft nur begrenzt wirken. Sobald überschüssiges Wasser abgelaufen ist, bleibt die restliche Feuchtigkeit in den Poren des Substrats zurück – und genau das entscheidet, ob Wurzeln atmen oder ersticken.
Kapillarwirkung und Porengröße
Makroporen (groß): Entstehen zwischen groben Partikeln wie Rinde, Bims oder Splitt. Die Schwerkraft leert sie nach dem Gießen schnell, sodass Sauerstoff für die Wurzeln bleibt.
Mikroporen (klein): Befinden sich in feinen Bestandteilen wie Torf oder Kompost. Kapillarkräfte halten dort Wasser fest, sodass diese Bereiche lange nach dem Abfluss gesättigt bleiben.
➜ Deshalb bleibt ein torfbetontes Substrat dauerhaft nass, während eine Mischung mit grober Rinde entwässert und durchlüftet bleibt.
Topfkapazität
Anders als Gartenboden können Topfsubstrate nicht in tiefere Schichten entwässern. Nachdem die Schwerkraft ihre Arbeit getan hat, stabilisiert sich die Restfeuchtigkeit auf Topfkapazität – ein deutlich nasserer Zustand als im Freien. Darum sind Zimmerpflanzen im Topf wesentlich anfälliger für Wurzelfäule.
🔗 Die praktische Seite der Topfphysik findest du in unserem ultimativen Leitfaden zu Substraten für Zimmerpflanzen, wo gezeigt wird, wie sich Substratstruktur in realen Töpfen auswirkt.
Der hängende Wasserspiegel (PWT)
Jeder Topf hat am Boden eine dauerhaft gesättigte Zone – unabhängig von der Anzahl der Abflusslöcher.
Feine, torfhaltige Mischungen können einen hängenden Wasserspiegel von mehreren Zentimetern Tiefe halten – genug, um kleine Töpfe regelrecht zu fluten.
Grobe Mischungen (Rinde, Bims, Perlite) reduzieren ihn auf nur 1–2 cm.
Höhere Töpfe atmen besser, da dieselbe PWT-Tiefe nur einen kleinen Bruchteil des gesamten Substratvolumens ausmacht.
Gasdiffusion
Selbst bei ausreichender luftgefüllter Porosität (AFP) müssen Wurzeln mit Sauerstoff versorgt werden, der sich im Substrat frei bewegen kann. Verdichtet sich die Mischung oder verbrauchen Mikroorganismen in warmen, feuchten Bedingungen zu viel Sauerstoff, ersticken Wurzeln in einem Substrat, das sich eigentlich nur „feucht“ anfühlt. Für die Pflanze zeigt sich das in Welken, Gelbfärbung oder gehemmtem Wachstum.
Auch wenn AFP-Werte noch im Soll liegen, kann Sauerstoff zu langsam durch das Substrat diffundieren. Dichte, verschlungene Porenwege oder ein plötzlicher Anstieg mikrobieller Aktivität können die Sauerstoffzufuhr überlasten. Untersuchungen zeigen, dass die Diffusion von O₂ in Topfsubstraten oft schon limitierend wirkt, lange bevor Staunässe sichtbar wird. Damit ist Belüftung ebenso sehr eine Frage der Porenvernetzung wie des Porenvolumens.
📌 Merke: Wurzelfäule ist ein physikalisches Problem, nicht nur ein Gießfehler. Partikelgröße, Topfhöhe und Substratverdichtung entscheiden, ob Wurzeln mit Sauerstoff versorgt werden – oder in Nässe und Mangel ersticken.
Helfen Kiesschichten im Topf? (Kurz gesagt: Nein.)
Viele Ratgeber empfehlen immer noch, Kies oder Steine auf den Topfboden zu legen, um die Drainage zu verbessern. Die Idee dahinter: Wasser soll schneller ablaufen und das Substrat weniger nass bleiben. In Wirklichkeit passiert das Gegenteil.
Eine Kiesschicht erzeugt eine kapillare Sperre — Wasser bewegt sich nicht in die grobe Schicht, bevor die feinere Erde darüber vollständig gesättigt ist. Dadurch steigt der hängende Wasserspiegel (PWT) weiter nach oben in die Wurzelzone, die Belüftung sinkt, und Wurzeln liegen näher an stehender Feuchtigkeit. Darum haben Sukkulenten in flachen Töpfen oder Calathea in torfreichen Mischungen oft Probleme, wenn Kies unten eingefüllt wurde.
Bessere Lösungen:
Verwende eine gleichmäßig aufgebaute Mischung mit passender Partikelgröße für deine Pflanze.
Wähle immer einen Topf mit Abflussloch, damit überschüssiges Wasser entweichen kann.
Decke das Loch bei Bedarf mit einem Stück Netz oder Tonscherbe ab – nicht mit Kies.
📌 Merke: Kies im Topf ist ein Drainage-Mythos. Er verbessert den Abfluss nicht, sondern verkleinert die durchlüftete Zone und erhöht das Risiko von Wurzelfäule.
🔗 Wenn du auf „einfaches Gießen ohne falsche Drainage-Tricks“ setzt, findest du in unserem Artikel über Selbstbewässerungstöpfe Setups, die Wurzeln trotzdem ausreichend mit Sauerstoff versorgen.

Töpfe, Systeme & Umgebung — was die Belüftung wirklich beeinflusst
Selbst eine gut durchmischte Erde kann versagen, wenn Topf oder Umgebung dagegen arbeiten. Topfdesign, versteckte Wasserfallen und Klima entscheiden, wie viel Sauerstoff die Wurzeln tatsächlich erreichen.
Topfhöhe — warum höhere Töpfe besser „atmen“
Flache Töpfe zwingen Wurzeln, in einem größeren Anteil gesättigter Erde zu stehen, weil der hängende Wasserspiegel fast das gesamte Substrat einnimmt. Deshalb faulen Sukkulenten und Kakteen in Schalen besonders schnell.
In höheren Töpfen bleibt die Tiefe des Wasserspiegels gleich, aber sie macht nur einen kleinen Teil des Gesamtvolumens aus. Dadurch bleibt mehr durchlüfteter Raum oberhalb, was Pflanzen wie Monstera oder Philodendron gesündere Wurzelzonen bietet.
Untersuchungen von Bilderback & Fonteno (1987) zeigen, dass die Geometrie des Topfes – vor allem das Verhältnis von Höhe zu Durchmesser – Luft- und Wasservolumen stärker beeinflusst als Zahl oder Größe der Abflusslöcher. Für Pflanzenfreunde heißt das: Form schlägt Lochanzahl, wenn es um Belüftung geht.
Topfmaterial — Terrakotta, Kunststoff oder glasiert
Terrakotta: Poröse Wände lassen Wasser verdunsten und erhöhen die Belüftung. Ideal für Sukkulenten, Kakteen oder für Menschen, die eher zu viel gießen.
Kunststoff: Hält Feuchtigkeit länger. Praktisch für Farne oder Korbmaranten in trockenen Wohnungen – solange die Erde locker bleibt.
Glasierte Keramik: Nicht porös, verhält sich wie Kunststoff, ist aber schwerer und dekorativ. Am besten für feuchtigkeitsliebende Pflanzen geeignet, wenn grobes Substrat verwendet wird.
Stoff- oder Air-Pruning-Töpfe: Ermöglichen Gasaustausch durch die Seitenwände und verhindern Wurzelkreisel. Nützlich für große Exemplare, im Innenbereich aber weniger verbreitet.
🔗 Wie du den richtigen Topf zum Gießverhalten wählst, erfährst du im ultimativen Guide zum Gießen von Zimmerpflanzen.
Untersetzer & Übertopf — versteckte Wasserfallen
Wasser, das in Untersetzern oder dekorativen Übertöpfen stehen bleibt, wird vom Substrat wieder aufgesogen. Die Basis bleibt dauerhaft nass, Wurzeln ersticken. Erste Anzeichen: vergilbte untere Blätter, obwohl der Topf scheinbar ablief.
Lösung: Untersetzer nach 10–15 Minuten leeren oder den Kulturtopf im Übertopf auf einen Abstandshalter stellen.
Noch riskanter sind Gefäße ohne Abflussloch, die oft als Pflanzgefäße verkauft werden. Sie erzeugen zwangsläufig einen hängenden Wasserspiegel und damit Sauerstoffmangel – egal, wie gut die Erde ist.
📌 Fazit: Egal ob stehendes Wasser im Untersetzer oder ein Topf ohne Loch – das Ergebnis ist dasselbe: Wurzeln sitzen in sauerstoffarmer Nässe.
Selbstbewässerungstöpfe — Vor- und Nachteile
Systeme mit Reservoir und Docht gelten als bequem, erfordern in Wahrheit aber präzise Einrichtung. Für Feuchtigkeitsliebhaber wie Calathea oder Farne können sie funktionieren – allerdings nur, wenn das Reservoir deutlich unterhalb der Wurzelzone sitzt und das Substrat grob genug ist, um Sauerstoff durchzulassen.
Für Aronstabgewächse, Sukkulenten und Kletterpflanzen verursachen sie meist chronische Nässe, außer die Mischung wird stark mit Rinde, Bims oder anderen groben Materialien aufgelockert.
Forschungen an Zierpflanzen wie Weihnachtssternen und Chrysanthemen bestätigen, dass kontinuierliche Subbewässerung den Sauerstoffgehalt im Wurzelraum senkt – selbst in strukturierten Substraten. Ohne Erfahrung im Anpassen von Substraten und im Beobachten des Wasserstandes entsteht schnell Hypoxie.
📌 Merke: Selbstbewässerungstöpfe sind ein Werkzeug für Fortgeschrittene, die die Belüftung verstehen – für Einsteiger meist keine sichere Wahl.
Temperatur & Mikroben — der Sauerstoff-Bedarf
Warm + nass: In warmen Bedingungen enthält Wasser weniger gelösten Sauerstoff, während Wurzeln und Mikroben mehr verbrauchen. Doppelte Belastung: weniger verfügbar, höherer Bedarf. Deshalb führt Überwässerung im Sommer so schnell zu Wurzelfäule.
Kühl + nass: Bei niedrigen Temperaturen arbeiten Mikroben langsamer, verbrauchen also weniger Sauerstoff. Gleichzeitig bleibt das Wasser aber länger im Topf, wodurch Wurzeln langsam ersticken.
💡 Tipp: In lichtarmen, kühleren Monaten Gießintervalle verlängern oder die Menge um 15–30 % reduzieren, um langsamere Verdunstung auszugleichen.
🔗 Wie du Pflanzen stabil durch Jahreszeiten bringst, erfährst du im Guide zur Eingewöhnung von Zimmerpflanzen.
📌 Wichtig zu wissen: Topfgröße, Material und versteckte Wasserfallen bestimmen maßgeblich, wie viel Sauerstoff die Wurzeln erreichen. Wer Topfart und Gießverhalten aufeinander abstimmt, hält sein Substrat dauerhaft atmungsaktiv.

Substratbestandteile — wie Partikelgröße Drainage und Belüftung steuert
Die Leistungsfähigkeit jeder Pflanzerde hängt von der Partikelgrößenverteilung ab. Grobe Stücke schaffen Luftkanäle (Makroporen), während feine Bestandteile Wasser in Mikroporen halten. Das richtige Gleichgewicht versorgt Wurzeln mit Sauerstoff und Feuchtigkeit zugleich.
Wasserspeichernde Bestandteile — für Farne, Calathea und andere Feuchtigkeitsliebhaber
Torfmoos (Sphagnum): Leicht und faserig, speichert ein Vielfaches seines Eigengewichts an Wasser. Allein eingesetzt verdichtet es sich, erhöht den hängenden Wasserspiegel und ist im trockenen Zustand schwer wieder zu befeuchten. Der saure pH kann eisenliebenden Pflanzen helfen, verkürzt jedoch die Lebensdauer der Mischung.
Kokosfaser (Coir): Nachhaltige Alternative zu Torf. Leitet Wasser etwas schneller ab, lässt sich leicht wieder befeuchten und schrumpft weniger. Braucht grobe Partner wie Rinde oder Bims, um Verdichtung zu vermeiden. Neutraler pH macht sie vielseitig.
Kompost & Wurmhumus: Nährstoffreich, aber sehr fein. Bereits 10–15 % können die Belüftung zusammenbrechen lassen. Daher nur als Ergänzung, nicht als Hauptbestandteil geeignet.
Strukturgebende / belüftende Bestandteile — für Aronstabgewächse, Hoyas und Orchideen
Rinde (Kiefer oder Tanne, 3–10 mm): Rückgrat vieler Mischungen. Feine Rinde balanciert Feuchtigkeit und Luft; gröbere Stücke maximieren die Belüftung. Zersetzt sich in 12–24 Monaten, Mischungen müssen dann aufgefrischt werden.
Perlite: Aufgeschäumtes Vulkanglas. Leicht, günstig und erhöht die Porosität, schwimmt aber auf und zerdrückt leicht. In Fertigmischungen häufig, langfristig weniger stabil.
Bims & Lavagestein: Schwerere vulkanische Minerale, die nicht schwimmen. Jede Partikel speichert etwas Wasser im Inneren. Hervorragend für Sukkulenten, Orchideen und große Aronstabgewächse.
Mineralische Zusätze — für Sukkulenten und Kakteen
Grobe Sande / Pflanzensplitt (1–4 mm): Sorgen für Gewicht, Stabilität und schnellere Drainage. Feinsand vermeiden — er verstopft Poren und erstickt Wurzeln.
Zerstoßener Granit oder Quarzit: Stabil, nicht saugfähig und langlebig. Standardbestandteil in mineralischen Kakteenmischungen.
Zeolith / Akadama: Zunehmend beliebt in Semi-Hydro- oder mineralbetonten Mischungen. Exzellent zur Feuchtigkeits- und Nährstoffpufferung, aber teurer.
Holzkohle & Biochar — zusätzliche Struktur und „Entgiftung“
Grobe Gartenholzkohle: Verbessert die Belüftung, bindet Schadstoffe und verleiht Struktur. Besonders in Orchideen- und Hoya-Mischungen nützlich.
Biochar: Leicht, porös und nachhaltig. Speichert sowohl Luft als auch Nährstoffe und stabilisiert Mischungen in semi-hydroponischen Systemen.
⚠️ Mit Vorsicht verwenden
Vermiculit: Speichert extrem viel Wasser und verdichtet sich mit der Zeit. Für Anzuchten geeignet, für langfristige Töpfe ungeeignet.
Zu viel Kompost oder Mist: Zersetzt sich zu Feinanteilen, lässt die Struktur kollabieren und erhöht oft den Salzgehalt.
💡 Tipps:
Billige Sackerde vor dem Verwenden absieben, um Staub und Feinanteile zu entfernen – das kann die Belüftung fast verdoppeln.
Bestandteile an den Pflanzentyp anpassen: Sukkulenten brauchen mineralische Zusätze, Farne gedeihen in wasserhaltigen Basen, Aronstabgewächse wachsen am besten in groben Rinden-Bims-Mischungen.
Nachhaltigkeit bedenken: Kokos und Rinde sind nachwachsend, Torf ist es nicht.
🔗 Eine Übersicht aller Materialien und wie du sie sinnvoll kombinierst, findest du im ultimativen Leitfaden zu Substraten für Zimmerpflanzen.

Wie viel Luft und Wasser brauchen Zimmerpflanzen?
Wissenschaftler beschreiben das Gleichgewicht in einem Substrat mit zwei Kennzahlen: luftgefüllte Porosität (AFP) und Wasserspeicherkapazität (WHC) nach dem Abfluss. Man kann sich AFP wie die Lungenkapazität der Erde vorstellen: Ist sie zu niedrig, ersticken die Wurzeln; ist sie zu hoch, trocknet die Mischung zu schnell aus. WHC ist die Gegenseite dieses Gleichgewichts — sie zeigt, wie viel Feuchtigkeit nach dem Abfluss der Schwerkraft im Substrat verbleibt.
In der professionellen Gartenbaupraxis werden diese Werte nach EN 13041, der europäischen Norm für Substratanalysen, getestet. Dieser Standard legt genau fest, wie AFP und WHC gemessen werden. Der in diesem Leitfaden genannte Bereich von 10–35 % AFP entspricht denselben Referenzwerten, die auch kommerzielle Gärtnereien nutzen, um Pflanzen in großen Stückzahlen gesund aufzuziehen.
Typische Zielwerte nach dem Abfluss (Innenraumbedingungen)
Pflanzengruppe | AFP (%) | WHC | Hängender Wasserspiegel (PWT) | Bei falschen Werten erkennst du… |
Aronstabgewächse (Monstera, Philodendron, Anthurium) | 15–25 | Mittel–hoch | Kurz–mittel | Wurzelfäule, langsames Wachstum, gelbe untere Blätter |
Korbmaranten (Calathea, Maranta) | 10–20 | Hoch | Mittel | Braune Ränder, Blattrollen oder Fäulnis bei zu dichtem Substrat |
Farne (z. B. Schwertfarn, Frauenhaarfarn, Nestfarn) | 10–20 | Hoch | Mittel | Vergilbte Wedel, Absterben in zu nasser Erde |
Wüstensukkulenten & Kakteen (Echeveria, Aloe, Cereus) | 25–35+ | Niedrig | Minimal | Schrumpeln bei zu grobem Mix, Fäulnis bei zu geringer AFP |
Dschungelsukkulenten (Hoya, Rhipsalis, epiphytische Kakteen) | 20–30 | Mittel | Gering | Faltenwurf oder Wurzelfäule je nach Mischung |
Orchideen & Epiphyten (Phalaenopsis, Oncidium) | 25–40 | Niedrig–mittel | Minimal | Wurzelerstickung in dichten Mischungen, Austrocknung in zu grober Rinde |
So liest du die Tabelle:
Aronstabgewächse: Gedeihen in groben Rinden-Bims-Mischungen, die feucht bleiben und dennoch belüftet sind. 🔗 Details findest du im vollständigen Pflege-Guide zur Monstera deliciosa.
Korbmaranten & Farne: Bevorzugen wasserhaltige Basen (Torf/Kokos), brechen aber ohne Zusätze wie Perlite oder Rinde schnell zusammen.
Sukkulenten & Kakteen: Brauchen mineralische Mischungen, die in Sekunden ablaufen — fast ohne hängendes Wasser. 🔗 Den Unterschied zwischen Wüsten- und Tropensukkulenten erklären wir hier: Unterschiede zwischen tropischen und Wüstensukkulenten.
Dschungelsukkulenten: Liegen zwischen Tropen- und Wüstenarten, benötigen moderate Feuchtigkeit mit viel Sauerstoff.
Orchideen: Wachsen in der Natur auf Rinde oder Bäumen — sie brauchen extrem hohe AFP-Werte und sehr wenig WHC. Ihr spezielles Velamen macht sie besonders empfindlich gegenüber dichten Substraten.
Auch innerhalb der Pflanzenwelt gibt es große Unterschiede, wie Arten mit Sauerstoffstress umgehen. Calathea und Spathiphyllum reagieren schnell mit Fäulnis in torfreichen Mischungen, während trockenheitsangepasste Arten wie Zamioculcas dank Knollenwurzeln und Aerenchym Sauerstoffmangel besser überstehen. Das erklärt, warum manche Pflanzen in verdichteter Erde rasch absterben, andere jedoch noch eine Zeit lang überleben.
💡 Tipp: AFP- und WHC-Werte werden nach EN 13041 im Labor bestimmt. Für zu Hause reichen einfache Tests, um ein Gefühl für das richtige Gleichgewicht zu bekommen.
So prüfst du die Belüftung deines Substrats zu Hause
Du brauchst kein Labor, um herauszufinden, ob dein Substrat das richtige Verhältnis von Luft und Wasser hat. Mit diesen schnellen Methoden erkennst du, ob die Mischung zu dicht, zu grob oder genau richtig ist.
1. Drucktest (Handprobe)
Nimm eine Handvoll feuchtes Substrat (nicht triefend nass).
✔ Zerfällt locker: Ausgeglichenes Verhältnis von Luft und Wasser.
✘ Bleibt als Klumpen: Zu fein oder zu nass → mit Rinde, Bims oder Perlite auflockern.
✘ Zerfällt wie Sand: Zu grob oder zu trocken → Torf oder Kokos ergänzen.
2. Ablauf-Zeit messen
Gieße, bis Wasser aus dem Abflussloch läuft, und stoppe die Zeit:
Aronstabgewächse, Farne, Korbmaranten: ca. 5–15 Sekunden (bei 12–18 cm Topf).
Sukkulenten & Kakteen: ca. 2–5 Sekunden.
Langsamer = Substrat zu dicht, schlechte Belüftung.
3. Gewichtsmethode
Hebe den Topf nach dem Abtropfen an und später erneut, wenn er „wieder gießbereit“ ist.
✔ Gewicht sinkt stetig: Normales Austrocknen.
✘ Kaum Veränderung: Wasser staut sich, Sauerstoffmangel.
✘ Trocknet in 1–2 Tagen (bei Nicht-Sukkulenten): Mischung zu grob.
4. Hydrophobie-Test
Gieße einen komplett trockenen Topf.
✔ Gleichmäßige Aufnahme: Gesunde Struktur.
✘ Wasser perlt ab oder läuft an den Seiten entlang: Hydrophober Torf.
➜ Lösung: Von unten wässern, um das Substrat langsam wieder zu befeuchten, und beim nächsten Umtopfen mit Kokos, Rinde oder Bims verbessern.
🔗 Wenn deine Tests auf Sauerstoffmangel oder Salzprobleme hinweisen, hilft dir unser Leitfaden Wurzelfäule erkennen & behandeln mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung.
➜ So testen Profis: Kommerzielle Gärtnereien bestimmen AFP und WHC mit EN-13041-Laborverfahren, oft ergänzt durch Sauerstoffdiffusionsmessungen oder EC-/pH-Sonden. Für Hobbygärtner ist das kaum praktikabel – erklärt aber, warum Baumschulen verlässlichere Ergebnisse erzielen.
💡 Tipp: Wenn ein hoher Topf nur langsam entwässert, liegt das Problem am Substrat – nicht am Abflussloch.

Beste Substratmischungen für Aronstabgewächse, Sukkulenten und Farne
Gute Mischungen verbinden wasserspeichernde Bestandteile (z. B. Torf, Kokos) mit strukturgebenden Komponenten (z. B. Rinde, Bims, Splitt). Die hier genannten Verhältnisse sind Ausgangspunkte – passe sie an dein Raumklima und dein Gießverhalten an.
Substratrezepturen nach Pflanzengruppen
(Angaben nach Volumen, Feinanteile ausgesiebt)
Pflanzengruppe | Wasserspeichernd | Strukturell | Extras & Hinweise |
Aronstabgewächse (Monstera, Philodendron, Anthurium) | 30–40 % Torf/Kokos (mittlere Fasern) | 30–40 % Rinde (5–10 mm); 20–30 % Bims/Perlite (4–6 mm) | +5–10 % Kompost optional. Hält ca. 18 Monate. Leicht saurer pH verbessert Nährstoffaufnahme. |
Korbmaranten (Calathea, Maranta) | 45–55 % Torf/Kokos (fein–mittel) | 15–25 % Rinde (3–6 mm); 20–30 % Bims/Perlite (4–6 mm) | Weich, aber luftig. Jährlich erneuern, da Feinanteile zunehmen. |
Farne (Schwertfarn, Frauenhaarfarn, Nestfarn) | 45–60 % Torf/Kokos | 15–25 % Rinde (3–6 mm); 15–25 % Bims/Perlite | +5–10 % Lauberde/Kompost. Alle 12–18 Monate auffrischen. |
Sukkulenten & Kakteen (Echeveria, Aloe, Cereus) | 10–25 % Torf/Kokos (sehr wenig) | 35–60 % Bims/Perlite (4–8 mm); 20–40 % grober Sand/Splitt (1–4 mm) | Handelsübliche „Kakteenerde“ ist meist zu torflastig – mit 30–50 % Splitt aufwerten. Sehr langlebig. |
Dschungelsukkulenten (Hoya, Rhipsalis, epiphytische Kakteen) | 25–35 % Torf/Kokos | 25–40 % Rinde (3–8 mm); 20–30 % Bims/Perlite | +5–10 % grobe Holzkohle. Alle 18–24 Monate auffrischen. |
Orchideen (Phalaenopsis, Oncidium, Dendrobium) | Minimal (0–10 % Sphagnum zur Feuchtigkeitspufferung) | 70–90 % Rinde (8–15 mm) mit Bims oder Holzkohle | Epiphytische Wurzeln benötigen hohe AFP. Mischung zersetzt sich nach 12–18 Monaten und muss ersetzt werden. |
Warum diese Mischungen funktionieren
Aronstabgewächse: Brauchen konstante Feuchtigkeit, ersticken aber in dichten Substraten. Rinde und Bims halten die Wurzeln belüftet.
Korbmaranten & Farne: Feine Wurzeln verlangen weiche, wasserreiche Basen, benötigen aber Struktur, um nicht zusammenzufallen.
Sukkulenten & Kakteen: Angepasst an Wüstenböden mit nahezu keinem hängenden Wasser – mineralreiche Mischungen trocknen schnell und bleiben durchlässig.
Dschungelsukkulenten: Wachsen in Baumritzen – mögen luftige, aber nicht völlig trockene Mischungen.
Orchideen: Echte Epiphyten – ihre Wurzeln haften an Rinde und brauchen extreme Belüftung bei minimalem Wasserhalt.
💡 Tipps:
Billige Sackerde immer absieben, um Staub und Feinanteile zu entfernen – das kann die Belüftung fast verdoppeln.
Mischungsverhältnisse anpassen: in feuchten Wohnungen mehr grobe Anteile, in trockenen Wohnungen etwas mehr Torf/Kokos.
Pflanzensignale beachten: Gelbe Blätter = zu nass; braune, trockene Spitzen = zu trocken/luftig.
Mischungen erneuern, bevor sie zusammenbrechen: meist alle 12–24 Monate, je nach Bestandteilen.

Wie man unterschiedliche Substrate richtig gießt
Eine Substratmischung funktioniert nur, wenn sie auch richtig gegossen wird. Grobe, luftige Mischungen verhalten sich völlig anders als feine, stark feuchtigkeitsspeichernde Erden – und jede zeigt ihre eigenen Stresssignale.Wichtig: Immer so lange gießen, bis Wasser aus den Abflusslöchern läuft. Kleine „Schlückchen“ befeuchten nur die obere Schicht und lassen die tieferen Wurzeln trocken.
Grobe, luftige Mischungen — Aronstabgewächse in Rinden-Substraten, Sukkulenten, Kakteen
So gießen: Komplett durchdringend, damit alle Wurzeln erreicht und Salze ausgespült werden.
Wie oft: Häufiger als erwartet – diese Mischungen trocknen schnell ab, bleiben aber sicher, weil Sauerstoff erhalten bleibt.
Achte auf: Wird die Erde knochentrocken, lässt sie sich schwer erneut befeuchten. Anzeichen sind schrumpelige Blätter bei Sukkulenten oder stagnierendes Wachstum bei Monstera. Lösung: Gelegentlich von unten gießen oder den Topf für kurze Zeit ins Wasser stellen.
Feuchtigkeitsspeichernde Mischungen — Korbmaranten, Farne
So gießen: Wieder wässern, sobald die oberen 2–3 cm nur leicht abgetrocknet sind.
Wie oft: Seltener, da diese Mischungen Wasser länger halten.
Achte auf: Dauerhaft nasse Topfschichten führen zu gelben Wedeln oder braunen Blatträndern. Lösung: Zwischen vollständigem Gießen und kurzen Antrocknungsphasen abwechseln.
Ausgewogene Mischungen — Dschungelsukkulenten, viele Tropenpflanzen
So gießen: Erde teilweise antrocknen lassen, dann gründlich durchspülen.
Warum: Diese Pflanzen gedeihen mit wechselnden Zyklen aus Luft und Feuchtigkeit. Warnsignale: Faltenbildung = zu trocken, Gelbfärbung unterer Blätter = zu nass.
Von unten gießen ⚠️
Am besten geeignet für: Rehydrieren von ausgetrocknetem Torf oder wenn Blätter nicht nass werden sollen.
Risiken: Bei ausschließlichem Einsatz sammeln sich Salze an der Oberfläche, und Wurzeln werden nie richtig durchgespült. Symptome: Weiße Krusten auf der Erde oder Blattspitzen, die verbrennen.
Lösung: Zwischen Unter- und Obergießen abwechseln, um Salzansammlungen zu vermeiden.
💡 Tipp: Je gröber das Substrat, desto häufiger musst du gießen – dafür ist das Risiko von Wurzelfäule deutlich geringer. Feine Substrate brauchen weniger häufiges Gießen, verzeihen aber kaum Fehler und lassen Wurzeln schnell ersticken.
Wasserqualität und Chemie im Substrat — die verborgene Seite der Belüftung
Selbst mit perfekter Gießtechnik kann die Wasserqualität die Belüftung im Substrat beeinträchtigen. Mineralien, Salze und das Verhalten von Torf beeinflussen entscheidend, wie Wurzeln an Sauerstoff gelangen.
Hartes Wasser und pH-Verschiebung
Problem: Hohe Karbonathärte hebt den pH-Wert torfbasierter Mischungen schrittweise über 6,5–7. In diesem Bereich werden Spurenelemente wie Eisen und Mangan blockiert, was zu gelben Blättern führt – besonders bei Calathea und Anthurium.
Warum es für Belüftung wichtig ist: Schlechte Sauerstoffversorgung destabilisiert den pH zusätzlich. In schwach belüfteten Substraten setzen anaerobe Mikroben reduzierte Verbindungen frei, die das Substrat stärker ansäuern und so Nährstoffmängel vortäuschen. Oft steckt also ein Sauerstoffproblem hinter dem vermeintlichen Nährstoffmangel.
Lösung: Mit leicht angesäuertem Dünger arbeiten oder das Substrat gelegentlich mit Regen-, destilliertem oder Osmosewasser durchspülen. Die meisten tropischen Zimmerpflanzen bevorzugen pH-Werte zwischen 5,5 und 6,5.
Salzansammlungen (EC, elektrische Leitfähigkeit)
Problem: Dünge- und Mineralrückstände sammeln sich an, wenn zu sparsam gegossen oder nur von unten gewässert wird. Hohe EC-Werte erschweren die Wasseraufnahme, Pflanzen können welken, obwohl die Erde noch feucht ist.
Symptome: Blattspitzen verbrennen, Salzkrusten auf der Oberfläche, unerklärliches Welken.
Warum es für Belüftung wichtig ist: Überschüssige Salze verlangsamen den Wasserfluss im Substrat und hemmen die Sauerstoffdiffusion. Gleichzeitig konkurrieren zersetzende organische Stoffe und Mikroben mit den Wurzeln um Sauerstoff – besonders in warm-feuchten Bedingungen. Deshalb brechen torf- und kompostreiche Mischungen schneller zusammen als mineralisch-grobe Erden.
Lösung: Einmal im Monat das Substrat mit der dreifachen Topfmenge sauberen Wassers durchspülen und Untersetzer leeren, damit Salze nicht zurückgesogen werden.
🔗 Detaillierte Tipps zum Düngen findest du im Guide zum besten Dünger für Zimmerpflanzen.
Hydrophober Torf
Problem: Trocknet Torf komplett aus, bilden sich wachsartige Oberflächenstoffe, die Wasser abstoßen. Statt einzuziehen, perlt es ab oder läuft an den Topfrändern hinunter – die Wurzelzone bleibt trotz Gießen trocken.
Symptome: Erde fühlt sich innen trocken an, die Pflanze welkt, obwohl sie „gegossen“ wurde.
Lösung: Langsam von unten befeuchten oder den Topf eine Stunde ins Wasser stellen. Beim nächsten Umtopfen das Substrat mit Kokos, Rinde oder Bims stabilisieren, damit es nicht irreversibel austrocknet.
💡 Tipp: Wenn eine Pflanze in feuchter Erde welkt, nicht sofort mehr gießen. Meist liegt es an Sauerstoffmangel oder Salzstress, nicht an Durst. Spüle das Substrat durch oder frische es auf, bevor du deine Gießroutine änderst.

Warum selbst das beste Substrat mit der Zeit an Belüftung verliert
Eine frische, grobkörnige Mischung bleibt nicht ewig locker. Organisches Material zersetzt sich, Wurzeln breiten sich aus, und Verdichtung drückt nach und nach den Sauerstoff aus den Poren. Warme, feuchte Wohnungen beschleunigen diesen Prozess, trockenere Bedingungen verlangsamen ihn – aber jede Substratmischung muss irgendwann erneuert werden.
Zersetzung
Was passiert: Rinde, Torf und Kompost zerfallen zu feineren Partikeln, verstopfen die Makroporen und erhöhen den hängenden Wasserspiegel. Die Folge: ein stetiger Rückgang der luftgefüllten Porosität (AFP). Rindenbasierte Mischungen verlieren ihre Struktur meist innerhalb von 12–24 Monaten, Torf noch schneller, während Kokosfaser stabiler ist, sich aber ebenfalls mit der Zeit verdichtet.
Frühe Anzeichen: Wasser braucht länger zum Einsickern, die Oberfläche bleibt länger feucht, Töpfe wirken schwerer als sonst.
Lösung: Alle 12–24 Monate auffrischen oder umtopfen. Bei starker Nutzung (tägliches Gießen, warme Räume) nach 12 Monaten. Bei langsam wachsenden Pflanzen reicht es oft, jährlich die obersten 3–5 cm zu erneuern. Grobe Bestandteile beim Auffrischen wieder einmischen, um Sauerstoffwege zu öffnen.
Verdichtung
Was passiert: Wird Erde beim Einpflanzen zu fest angedrückt oder durch wiederholte Nass-Trocken-Zyklen belastet, brechen Makroporen zusammen. Billige Sackerde beschleunigt diesen Effekt.
Symptome: Wasser läuft an den Topfwänden herunter, das Substrat zieht sich von den Rändern zurück oder härtet zu einem festen Block aus.
Lösung: Beim Eintopfen Erde locker einfüllen und nur leicht durch Klopfen setzen. Bei Verdichtung umtopfen und frisches, grobes Material wie Rinde, Bims oder Splitt einarbeiten.
Wurzelverdrängung
Was passiert: Wachsende Wurzeln verdrängen die Porenräume und verringern die Luftzirkulation. Selbst eine gute Mischung wird erstickend, sobald die Pflanze durchwurzelt ist.
Symptome: Wurzeln kreisen im Topf oder wachsen aus den Abflusslöchern heraus, Wasser läuft an der Erde vorbei, ohne sie gleichmäßig zu durchfeuchten.
Lösung: In einen etwas größeren Topf umsetzen, Wurzeln vorsichtig lockern oder zurückschneiden und das Substrat erneuern. Stoff- oder Air-Pruning-Töpfe können das Problem bei schnell wachsenden Arten verzögern.
📌 Wann sofort umtopfen: Wenn Erde sauer riecht, Pflanzen ständig im „Nasswelken“ hängen, Wasser direkt durchläuft, weiße Salzkrusten auftreten oder trockene Stellen Wasser abstoßen. Das sind klare Frühwarnzeichen, das Substrat zu erneuern – wartest du bis zum Blattverlust, sind die Wurzeln oft schon geschädigt.

Probleme mit Substraten erkennen und beheben
Wenn deine Pflanze unglücklich aussieht, liegt die Ursache fast immer in der Wurzelzone. Diese Übersicht hilft dir, sichtbare Symptome mit den wahrscheinlichsten Substratproblemen zu verbinden.
Anaerobe Bedingungen lassen sich meist leicht an Geruch und Aussehen erkennen: säuerlicher oder fauliger Gestank, schwarze Wurzeln und schleimige Substratoberflächen sind klare Anzeichen für Sauerstoffmangel. Diese Hinweise sind stärkere Warnsignale für Wurzelfäule als eine bloß feuchte Erdoberfläche.
Häufige Symptome und Lösungen
Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Was tun |
|---|---|---|
Nasse Erde + welke Blätter | Sauerstoffmangel oder Salzansammlung | Mit klarem Wasser durchspülen; Substrat mit Rinde oder Bims auflockern |
Erde riecht sauer/faulig | Dauerhafte Nässe, anaerobe Mikroben | Substrat austauschen; grobe Anteile zufügen; Gießhäufigkeit reduzieren |
Wasser läuft an den Seiten herunter | Verdichtung oder hydrophober Torf | Von unten gießen, um Erde wiederzubeleben; beim Umtopfen Kokos/Rinde/Bims einarbeiten |
Braune, trockene Blattränder (Calathea, Maranta) | Feuchtigkeitsschwankungen, Salze oder hoher pH | Gleichmäßig feucht halten; monatlich durchspülen; weicheres oder leicht angesäuertes Wasser verwenden |
Aronstabgewächs wächst nicht trotz Gießen | Wurzeln ersticken in dichter, feiner Erde | Rinde/Bims untermischen; höheren Topf wählen für mehr Belüftung |
Sukkulente schrumpelt trotz feuchter Erde | Wurzelfäule durch Staunässe | Verfaulte Wurzeln entfernen; in mineralische Mischung mit viel Gestein setzen |
Farnwedel vergilben bei nassem Substrat | Sauerstoffmangel oder Nährstoffblockade | Substrat erneuern; Perlite/Rinde zugeben; Wasserhärte prüfen |
Weiße Salzkruste auf der Oberfläche | Düngemittel- oder Mineralienüberschuss | Monatlich mit klarem Wasser auswaschen; Gießmethoden abwechseln (oben/unten) |
Trauermücken schweben über dem Topf | Dauerhaft nasse Erde, organischer Abbau | Obere Schicht abtrocknen lassen, Substrat auffrischen oder mineralreicher mischen |
Wasser läuft vorbei, Wurzeln kreisen | Pflanze ist durchwurzelt | In größeren Topf umsetzen; Wurzeln lockern oder einkürzen |
💡 Tipp: In neun von zehn Fällen liegt das Problem unter der Erde – nicht an den Blättern.
Häufige Fragen zu Drainage, Belüftung und Substraten
Warum läuft mein Topf ab, aber die Wurzeln faulen trotzdem?
Weil Drainage nur zeigt, dass Wasser den Topf verlässt. Feine Partikel können dennoch Feuchtigkeit binden, sodass die untere Wurzelzone ohne Sauerstoff bleibt und Wurzeln verfaulen.
Ist Terrakotta immer besser für die Belüftung als Kunststoff?
Nicht unbedingt. Terrakotta „atmet“ und trocknet das Substrat schneller – ideal für Sukkulenten oder Menschen, die oft zu viel gießen. Kunststoff und glasierte Keramik halten Feuchtigkeit länger, was für Farne oder Korbmaranten vorteilhaft ist. Stofftöpfe ermöglichen seitlichen Gasaustausch und verhindern Wurzelkreisel, trocknen innen jedoch schnell aus.
Helfen Kiesschichten im Topf?
Nein. Kies hebt den hängenden Wasserspiegel höher in die Wurzelzone und verringert den belüfteten Bereich. Eine gut aufgebaute Mischung in einem Topf mit Abflussloch ist immer die bessere Wahl.
Wie oft sollte ich Substrat auffrischen?
Die meisten Mischungen verlieren nach 12–24 Monaten ihre Belüftung. Umtopfen ist sinnvoll, wenn du stark gießt oder schnell wachsende Pflanzen hältst. Typische Anzeichen: säuerlicher Geruch, Erde zieht sich vom Topfrand zurück, ständiges „Nasswelken“ oder Wasser läuft direkt durch.
Kann ich Kakteenerde für Monstera oder Philodendron verwenden?
Die meisten Mischungen verlieren nach 12–24 Monaten ihre Belüftung. Umtopfen ist sinnvoll, wenn du stark gießt oder schnell wachsende Pflanzen hältst. Typische Anzeichen: säuerlicher Geruch, Erde zieht sich vom Topfrand zurück, ständiges „Nasswelken“ oder Wasser läuft direkt durch.
Ist Perlite oder Bims besser?
Beides verbessert die Belüftung. Perlite ist leicht, günstig und überall erhältlich, schwimmt jedoch auf und zerbricht schnell. Bims ist schwerer, stabil und speichert etwas Wasser – ideal für Sukkulenten, Orchideen und langlebige Mischungen.
Wie behebe ich trockene, wasserabweisende Erde?
Das ist hydrophober Torf. Befeuchte das Substrat langsam von unten oder tauche den Topf eine Stunde ins Wasser. Vorbeugen kannst du, indem du torfhaltige Erde nie komplett austrocknen lässt und immer mit Kokos, Rinde oder Bims auflockerst.
Fazit — Drainage reicht nicht ohne Belüftung
Ein Topf kann perfekt ablaufen – und trotzdem ersticken die Wurzeln, wenn Sauerstoff fehlt. Gesundes Wachstum braucht Wasserabfluss und luftgefüllte Poren:
Aronstabgewächse: Grobe Mischungen, die feucht bleiben und gleichzeitig atmen.
Korbmaranten & Farne: Weiche, feuchtigkeitsreiche Basen, die nicht verdichten.
Sukkulenten & Kakteen: Mineralische Mischungen mit fast keinem hängenden Wasserspiegel.
Dschungelsukkulenten: Luftige Substrate, die dennoch etwas Feuchtigkeit speichern.
Wer hängende Wasserspiegel, luftgefüllte Porosität und die Alterung von Substraten versteht, kann Wurzelfäule langfristig vermeiden und Wurzeln gesund erhalten.
Belüftung zu erhalten ist eine Daueraufgabe, nicht nur eine Frage der richtigen Mischung. Vermeide übergroße Töpfe, die zu lange nass bleiben, kürze kreisende Wurzeln beim Umtopfen und dosiere Dünger maßvoll, damit Mikroben weniger Sauerstoff verbrauchen. Diese Kulturmaßnahmen verlängern die Lebensdauer des Substrats und sichern die Sauerstoffversorgung im Wurzelraum.
🔗 Hast du genug von verdichtetem Torf?
Dann lies unseren Guide zum Umstieg von Erde auf Semi-Hydro und kombiniere ihn mit dem Dünge-Guide für Semi-Hydro für saubere Ergebnisse.
Wenn deine Monstera oder dein Philodendron jemals verfault ist, obwohl Wasser frei ablief, lag die Ursache an Sauerstoffmangel – nicht an „schlechter Drainage“. Wurzelfäule zu verhindern bedeutet nicht, Löcher in den Topf zu bohren, sondern Luft dort zu erhalten, wo die Wurzeln sie brauchen.
Bereit, deine eigene Mischung zu bauen?
Wir haben die Grundzutaten, um Substrate individuell für jede Pflanze zu mischen:
Pinienrinde: Struktur und Luftkanäle für Aronstabgewächse und Orchideen
Bims: Stabile Belüftung und langfristige Struktur für Sukkulenten
Perlite: Leichter Porositäts-Booster für tropische Mischungen
Kokosfaser: Nachhaltige Basis für ausgewogene Feuchtigkeit
➜ Entdecke unsere Substrat-Kollektion und stelle dir deine Mischung selbst zusammen.
Quellen und weiterführende Literatur
Bilderback, T. E., & Fonteno, W. C. (1987). Effects of container geometry and media physical properties on air and water volumes in containers. Journal of Environmental Horticulture, 5(4), 180–182. https://doi.org/10.24266/0738-2898-5.4.180
Bunt, A. C. (1988). Media and mixes for container-grown plants (2nd ed.). London: Unwin Hyman Ltd. https://link.springer.com/book/10.1007/978-94-011-7904-1
Caron, J., Price, J. S., & Rochefort, L. (2015). Physical properties of organic soil: Adapting mineral soil concepts to horticultural growing media and Histosol characterization. Vadose Zone Journal, 14(6), 1–14. https://doi.org/10.2136/vzj2014.10.0146
Handreck, K., & Black, N. (2002). Growing media for ornamental plants and turf (3rd ed.). Sydney: UNSW Press. https://books.google.de/books/about/Growing_Media_for_Ornamental_Plants_and.html?id=d1v5pAmhYXEC&redir_esc=y
Hershey, D. R. (1990). Container-soil physics and plant growth. BioScience, 40(9), 685–686. https://doi.org/10.2307/1311437
Rowe, R. D. (2025). Effect of drainage layers on water retention of potting media in containers. PLOS ONE, 20(2), e0318716. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0318716
UConn Extension. (n.d.). Watering houseplants. Soil Nutrient Analysis Laboratory, University of Connecticut. Retrieved September 2025, from https://soiltesting.cahnr.uconn.edu/watering-houseplants/
U.S. Department of Agriculture. (1989). The container tree nursery manual, Volume 4: Seedling nutrition and irrigation (T. D. Landis, Ed.). Washington, DC: USDA Forest Service. https://rngr.net/publications/ctnm/volume-4
Premier Tech Horticulture. (2019). Air porosity: What is it and how important is it? Premier Tech Grower Services. Retrieved September 2025, from https://www.pthorticulture.com/en/training-center/air-porosity-what-is-it-and-how-important-is-it/
Li Y, Niu W, Cao X, Wang J, Zhang M, Duan X, Zhang Z. Effect of soil aeration on root morphology and photosynthetic characteristics of potted tomato plants (Solanum lycopersicum) at different NaCl salinity levels. BMC Plant Biol. 2019 Jul 29;19(1):331. doi: 10.1186/s12870-019-1927-3. PMID: 31357955; PMCID: PMC6661949. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6661949/
Zhuangzhuang Qian, Shunyao Zhuang, Jianshuang Gao, Luozhong Tang, Jean Damascene Harindintwali, Fang Wang, Aeration increases soil bacterial diversity and nutrient transformation under mulching-induced hypoxic conditions, Science of The Total Environment, Volume 817, 2022, 153017, ISSN 0048-9697, https://doi.org/10.1016/j.scitotenv.2022.153017.
Yu Z-z, Wang H-x, Yu D-s, Yin N-x and Zhang J (2024) The effect of aeration and irrigation on the improvement of soil environment and yield in dryland maize. Front. Plant Sci. 15:1464624. doi: 10.3389/fpls.2024.1464624 https://www.frontiersin.org/journals/plant-science/articles/10.3389/fpls.2024.1464624/full
Kayley Wiffen, Tharindi Lakshani, Chamindu Deepagoda, Sam Carrick, Timothy J. Clough, Keith Cameron, Hong Di, Wei Hu, Mike Beare, Brent Clothier, Min Li, Senani Karunaratne, Diogenes L Antille, Representing air as imaginary water: Analysis of soil water and soil aeration corequisites for plant growth, Vadose Zone Journal, 10.1002/vzj2.70037, 24, 5, (2025). https://doi.org/10.1002/vzj2.70037
Pragg, B., Lakshani, M. M. T., Deepagoda, T. K. K. C., Cameron, K., Di, H., Clough, T. J., Carrick, S., Elberling, B., & Smits, K. (2024). Identification of plant soil water and soil aeration corequisites: A management tool. Soil Science Society of America Journal, 88, 2078–2089. https://doi.org/10.1002/saj2.20772
Gebauer, R.L.E., Tenhunen, J.D. & Reynolds, J.F. Soil aeration in relation to soil physical properties, nitrogen availability, and root characteristics within an arctic watershed. Plant Soil 178, 37–48 (1996). https://doi.org/10.1007/BF00011161
Allaire, Suzanne & Caron, Jean & Parent, Léon. (1999). Changes in physical properties of peat substrates during plant growth. Canadian Journal of Soil Science. 79. 137-139. 10.4141/S98-060





Kommentare